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X im Check: Zwischen Meinungsfreiheit und Fake News

X – früher Twitter – gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Schauplätzen für öffentliche Diskussionen im Internet. Seit 2006 posten hier Journalisten, Politiker, Creator, Organisationen und Privatpersonen kurze Nachrichten, Meinungen und Informationen. Die Plattform ist schnell, direkt und oft der Ort, an dem Nachrichten zuerst auftauchen.

2023 wurde Twitter offiziell in X umbenannt. Durch die Übernahme durch Elon Musk im Jahr 2022 hat die Plattform einen deutlichen Wandel erlebt, vor allem in ihrer Moderation, ihrer Ausrichtung und ihrer Rolle in Debatten.

Wie X genutzt wird

X ist im Kern eine Art Live-Blog für kurze Gedanken. User posten kleine Textnachrichten (maximal 280 Zeichen), ergänzen Bilder oder Videos, starten Threads oder kommentieren Beiträge anderer. Diskussionen entstehen meist spontan und sind durch die offene Struktur für alle sichtbar, auch für Menschen ohne X-Konto. Über Hashtags lassen sich schnell Beiträge zu ganz konkreten Themen finden.

Die Plattform eignet sich besonders für:

  • Aktuelle Ereignisse – Politik, Sport, Katastrophen, Breaking News
  • Meinungsaustausch – gesellschaftliche Debatten, persönliche Statements
  • Community-Austausch – von Wissenschaft über Gaming bis Popkultur

Der Mix aus Kurznachrichten, Echtzeit-Updates und öffentlicher Sichtbarkeit macht X zu einem Ort, an dem Informationen rasend schnell verbreitet werden – manchmal schneller, als sie überprüft werden können.

Eine Plattform im Wandel – was sich unter Elon Musk geändert hat

Seit Elon Musk die Plattform 2022 übernommen hat, hat sich X stark verändert. Viele Regeln, Mechanismen und Sicherheitsmaßnahmen wurden überarbeitet oder abgeschafft. Musk verfolgt das Ziel einer Plattform mit möglichst wenig Einschränkungen für maximale Meinungsfreiheit. Das hat deutliche Auswirkungen auf Umgangston und Sicherheit:

  • Weniger Moderation:
    Viele Teams, die früher gegen Hassrede, Belästigung oder Falschinformationen gearbeitet haben, wurden stark verkleinert. Problematische Inhalte bleiben dadurch länger sichtbar.
  • Mehr erlaubte Inhalte:
    Beiträge, die früher als beleidigend, diskriminierend oder extremistisch eingestuft wurden, dürfen heute häufiger online bleiben.
  • Der „blaue Haken“ wurde kommerzialisiert:
    Früher bestätigte ein blauer Haken, dass hinter einem Account auch wirklich die Person steckt, für die sie sich ausgibt.
    Heute kann jeder ein Abo abschließen und das Symbol erhalten, was Verwechslungen und Fake-Accounts erleichtert.
  • Algorithmusänderungen:
    Beiträge von zahlenden Nutzerinnen und Nutzern werden bevorzugt angezeigt, genauso polarisierende Inhalte, die viel Interaktion erzeugen.
  • Weniger Transparenz:
    Entscheidungen über Sperrungen, Sichtbarkeit oder Moderation werden weniger offengelegt.

Risiken und Herausforderungen

Viele internationale Medien, Organisationen und Experten betrachten den Wandel der Plattform unter Musk sehr kritisch:

  • Anstieg von Hassrede:
    Studien zeigen, dass diskriminierende Sprache und Drohungen seit der Übernahme zugenommen haben.
  • Verstärkte Desinformation:
    Weniger Moderation führt dazu, dass Fake News schneller verbreitet werden.
  • Schwächere Schutzmechanismen:
    Besonders Minderjährige sind stärker mit toxischen Inhalten, Beleidigungen oder extremen Meinungen konfrontiert.
  • Politische Einflussnahme:
    Musk äußert öffentlich eigene politische Positionen und interagiert mit Kritikerinnen oder Journalistinnen auf eine Weise, die regelmäßig für Diskussionen sorgt.

Der neue Stil von X führt dazu, dass extreme Meinungen häufiger sichtbar werden. Der Algorithmus bevorzugt Beiträge, die viel Interaktion auslösen – und das bedeutet oft: Konflikte, starke Emotionen und polarisierende Inhalte.

Wichtige App-Einstellungen für Sicherheit und Privatsphäre

X bietet eine Reihe von Schutzfunktionen, die unbedingt genutzt werden sollten. Wir haben die wichtigsten Einstellungen gesammelt, ganz einfach zum Nachklicken:

  • Privates Konto aktivieren:
    Mit einem privaten Konto können nur Follower deine Beiträge sehen und Videos von dir herunterladen.
    Profilbild > Einstellungen und Datenschutz > Datenschutz und Sicherheit > Zielgruppe und Marketing > Deine Posts und Videos schützen
  • Fotomarkierungen
    Entscheide, wer dich auf Fotos markieren darf, am besten nur Personen, denen du folgst, oder niemand.
    Profilbild > Einstellungen und Datenschutz > Datenschutz und Sicherheit > Zielgruppe und Marketing > Fotomarkierungen
  • Direktnachrichten und Anrufe
    Stelle ein, wer die Nachrichtenanfragen schicken darf. Personen, denen du folgst, können dir immer Nachrichten senden. Wähle sonst am besten niemanden. Deaktiviere außerdem Audio- und Video-Anrufe oder lasse sie nur von Leuten in deinem Adressbuch oder Leuten, denen du folgst, zu. Profilbild > Einstellungen und Datenschutz > Datenschutz und Sicherheit > Direktnachrichten
  • Auffindbarkeit
    Entscheide, ob du nur über deinen Benutzernamen gefunden werden möchtest oder ob andere Nutzer dich auch über deine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer finden dürfen.
    Profilbild > Einstellungen und Datenschutz > Datenschutz und Sicherheit > Auffindbarkeit und Kontakte
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung
    Schütze deinen X-Account mit einer zusätzlichen Anmelde-Hürde, damit Fremde nicht einfach dein Konto übernehmen können.
    Profilbild > Einstellungen und Datenschutz > Sicherheit und Account-Zugriff > Sicherheit > Zwei-Faktor-Authentifizierung

Empfehlungen für Eltern und Erwachsene

Da X stark durch harsche Diskussionen und politische Spannungen geprägt ist, ist es für Jugendliche besonders anspruchsvoll. Hinzu kommt, dass die Sicherheitseinstellungen gerade für Jugendliche sehr dürftig und undurchsichtig sind. Teen-Konten oder eine Elternaufsicht wie bei anderen Apps gibt es auf X aktuell nicht. Eltern können eine sichere Nutzung von X unterstützen, indem sie:

  • gemeinsam Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen prüfen
  • erklären, wie man Fakten von Meinungen unterscheidet
  • über Falschinformationen, Quellenkritik und Manipulation sprechen
  • den Umgang mit Beleidigungen und Konflikten üben
  • offen bleiben für Gespräche über belastende Online-Erlebnisse

X ist eine Nachrichtenplattform für jedermann, die vor allem von Schnelligkeit lebt. Sie kann wertvolle Informationen liefern, aber erfordert viel Medienkompetenz, um Lautstärke nicht mit Wahrheit zu verwechseln.