
Sind Influencer käuflich? Wie glaubwürdig Online-Empfehlungen wirklich sind
Influencer gehören zu Social Media wie Shorts zu TikTok. Sie testen Produkte, erzählen von ihren Lieblingsmarken und wirken dabei oft so natürlich, als würden sie einfach nur ihre ehrliche Meinung teilen. Gleichzeitig verdienen viele von ihnen Geld damit, Produkte vorzustellen – und genau dieser Mix sorgt immer wieder für Diskussionen. Die Frage, die viele beschäftigt: Wie echt ist das alles eigentlich? Und noch genauer: Sind Influencer käuflich?
Die Antwort ist komplexer, als sie auf den ersten Blick wirkt. Manche Creator arbeiten sehr transparent und lehnen Deals ab, die nicht zu ihnen passen. Andere tun sich schwer damit, Grenzen zu ziehen – sei es aus Druck, wegen Konkurrenz oder schlicht, weil das Geschäft extrem schnelllebig und lukrativ ist.
Warum Influencer so überzeugend wirken
Influencer-Werbung funktioniert anders als klassische Spots oder Anzeigen. Statt eines gestellten Werbefilms sieht man Menschen, die ein Produkt in ihrem Alltag nutzen. Diese Nähe lässt das Ganze glaubwürdig erscheinen. Man sieht eine Person, die man regelmäßig in der eigenen Timeline hat: man kennt ihre Stimme, ihre Hobbies und ihre Makel. Genau das erzeugt eine Art Online-Vertrautheit, die viel stärker wirkt als jede Plakatwand.
Viele Zuschauer vergessen dabei, dass Influencer nicht nur Persönlichkeiten sind – sie sind auch Marken. Und Marken funktionieren nach bestimmten Regeln: Sichtbarkeit, Reichweite, Strategie, Planung. Was wie ein spontaner Moment aussieht, ist oft Teil eines durchdachten Content-Kalenders.
Bezahlte Meinung oder echte Empfehlung?
Influencer verdienen in erster Linie mit ihrer Reichweite Geld. Das heißt aber nicht automatisch, dass jede Empfehlung gekauft ist. Viele Creator testen Produkte ehrlich, fragen kritisch nach und lehnen Kooperationen ab, die nicht zu ihnen passen. Andere wiederum bewerben Dinge, ohne sie zu hinterfragen. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Wachsender Druck: Mehr Reichweite bedeutet mehr Kooperationen und mehr Einkommen.
- Konkurrenz: Es gibt immer mehr Creator und viele kämpfen um dieselben Werbedeals.
- Algorithmus-Stress: Wer längere Zeit weniger postet, verliert Sichtbarkeit und damit oft auch Anfragen.
- Schnelles Geld: Manchmal sind Deals so lukrativ, dass die Entscheidung leichtfällt.
- Wenig Transparenz: Einige Marken verlangen keine ehrliche Meinung, sondern nur Reichweite.
Der „HydroHype“-Fall: Wenn Influencer ein Fake-Produkt bewerben
Einer der bekanntesten Fälle, der gezeigt hat, wie käuflich manche Influencer tatsächlich sind, stammt vom YouTuber Marvin Wildhage. Er hat eine völlig erfundene Feuchtigkeitscreme namens „HydroHype“ entwickelt – samt Fake-Website, Fake-Instagram-Account, Fake-Kommentaren und gekauften Likes.
Das Produkt gab es überhaupt nicht. Die Creme hatte keine Wirkung, nicht einmal eine echte Rezeptur. Trotzdem gelang es Marvin, eine Influencerin dazu zu bringen, das Produkt begeistert in ihrer Story zu bewerben, inklusive Lobeshymnen und selbst erfundenen Vorher-Nachher-Bildern. Das Experiment zeigte eindrücklich, wie wenig manche Creator Produkte prüfen, bevor sie Werbung dafür machen.
Nicht jede Kooperation ist schlecht – aber Transparenz ist entscheidend
Natürlich heißt dieser Fall nicht, dass alle Influencer käuflich sind. Viele arbeiten sehr professionell, testen Produkte gründlich und nehmen Kooperationen nur an, wenn sie wirklich vom Produkt überzeugt sind. Problematisch wird es erst dann, wenn Werbung nicht klar als solche erkennbar ist oder wenn Fans denken sollen, eine Empfehlung sei privat, obwohl eine Marke dahintersteht. Genau hier ist kritisches Mitdenken wichtig, gerade für Jugendliche, die sich Influencer zum Vorbild nehmen.
Fazit: Genau hinschauen
Influencer-Marketing ist weder gut noch schlecht, sondern einfach ein sehr wirkungsvolles System. Wer versteht, wie es funktioniert, kann Empfehlungen besser einordnen. Influencer können hilfreiche Tipps geben, gute Produkte vorstellen oder spannende Marken sichtbar machen. Aber sie können auch irreführend werben oder Produkte unkritisch für Geld loben, obwohl die nicht halten, was sie versprechen.
Kritisch hinschauen heißt nicht, Influencern direkt den Lügenstempel aufzudrücken. Es bedeutet nur, die Mechanismen zu kennen und sich nicht allein von perfekt inszenierten Posts leiten zu lassen.