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Wenn Social Media krank macht: Warum Vergleiche, Algorithmen und Dauerstress aufs Gemüt schlagen

Ein bisschen scrollen, ein paar Reels gucken, schnell ein paar Storys durchklicken – eigentlich ganz harmlos. Und trotzdem kennen viele das Gefühl: Nach einer Weile auf Instagram, TikTok oder Snapchat fühlt man sich irgendwie schlechter als vorher. Unsicherer. Unzufriedener. Gefühlt „nicht genug“.

Das ist kein Zufall – und kein Einzelfall. Studien aus Deutschland zeigen inzwischen ziemlich klar: Soziale Netzwerke können belasten, überfordern und sogar krank machen, wenn der Umgang damit unreflektiert bleibt.

Der Vergleich: Schönes Leben – aber nicht das eigene

Einer der stärksten Effekte ist das ständige Vergleichen. Influencer, Creator und auch normale Nutzer posten überwiegend Highlights: Urlaube, schöne Outfits, perfekte Haut, tolle Körper, neue Anschaffungen, lässiger Lifestyle. Wer sich zu Hause durch die Timeline scrollt, bekommt schnell den Eindruck, dass alle anderen ein aufregenderes Leben führen.

Die JIM-Studie 2023 zeigt: Fast jeder zweite Jugendliche gibt an, dass Social Media Druck erzeugt, vor allem in Bezug auf Aussehen und Erwartungen. Die DAK-Längsschnittstudie zur Mediensucht 2022 war noch deutlicher: Jugendliche, die sehr viel auf Social Media unterwegs sind, berichten häufiger von gedrückter Stimmung, Schlafproblemen, vermindertem Selbstwertgefühl und der Angst, etwas zu verpassen.

Algorithmen verstärken negative Gefühle

Plattformen wie TikTok und Instagram spielen vor allem Inhalte aus, die Emotionen auslösen – positive oder negative. Der Algorithmus passt sich sogar der eigenen Stimmung an, und zwar in Echtzeit. Sucht jemand nach Fitness-Videos, kommen immer mehr davon. Gefällt ein Clip über perfektes Aussehen, liefert die App mehr Beiträge zu Schönheitsidealen. Schaut man traurige, nachdenkliche Clips, dann landen auch davon immer mehr in der Timeline.

Die DAK-Studie beschreibt das als „Stimmungsspirale“: Je nachdem, in welche Richtung man rutscht, verstärkt Social Media genau diese Emotionen, oft ohne, dass man es merkt. Jugendliche berichten, dass sie mehr Zeit auf Social Media verbringen, wenn es ihnen schlecht geht. Dort schauen sie dann Inhalte an, die die Stimmung eher noch verschlechtern. Außerdem sind sie in diesen Phasen besonders anfällig für Vergleiche.

Der Meta-Konzern, zu dem auch Instagram gehört, steht schon seit Jahren in der Kritik, die gesundheitlichen Auswirkungen seiner Apps zu kennen und herunterzuspielen. So berichten ehemalige Mitarbeitende und Journalisten über interne Studien, die angeblich bewusst der Öffentlichkeit vorenthalten wurden. Darin hätte unter anderem jeder dritte Teenager bestätigt, dass die Nutzung von Instagram das eigene Körperbild verschlechtert. Besonders Mädchen und junge Frauen seien davon betroffen.

Warum Social Media krank machen kann

  • Vergleichsdruck: Das Gehirn wertet ständig ab: „Der Körper dort ist besser. Die Wohnung schöner. Das Leben aufregender.“
  • Belohnungssystem: Likes und Kommentare wirken wie digitale Mini-Belohnungen. Das macht abhängig von Bestätigung – und frustriert, wenn sie ausbleibt.
  • Dauerstress: Ständige Erreichbarkeit, Nachrichten, Benachrichtigungen, Trends: Das Gehirn hat kaum Pausen.
  • FOMO: Die Angst, etwas zu verpassen, ist real und kostet Energie.
  • Schlafstörungen: Die JIM-Studie zeigt: Viele Jugendliche checken abends noch Social Media und schlafen dann schlechter.
  • Cybermobbing: Laut DAK-Studie hat etwa jeder vierte Jugendliche schon negative Erfahrungen gemacht.

Was wirklich hilft: ein gesunder Umgang mit Social Media

Folgende Tipps können dabei helfen, dass soziale Netzwerke inspirierend bleiben, anstatt sich negativ auf die Gesundheit auszuwirken:

  1. Sich klar machen: Online ist inszeniert.
    Die meisten Creator zeigen Highlights, nicht die Realität. Was perfekt aussieht, war oft ein Prozess aus 20 Versuchen, Filtern, Bearbeitung und gutem Licht.
  2. Offline-Kontakte pflegen.
    Gemeinsames Lachen, Umarmen, Reden – all das stärkt das echte Selbstwertgefühl viel besser als Likes und schafft echte Verbundenheit.
  3. Nicht scrollen, wenn man schlecht drauf ist.
    Studien zeigen, dass Social Media die schlechte Stimmung oft noch verstärkt.
  4. Nutzungszeit begrenzen.
    Viele Jugendliche berichten, dass es ihnen spürbar gut tut, digitale Pausen einzulegen.
  5. Content bewusst auswählen.
    Accounts entfolgen, die Druck erzeugen und nur noch Accounts folgen, die gut tun.