
Clickbaiting: Wenn Überschriften mehr versprechen, als sie halten
Im Internet entscheidet oft ein einziger Blick darüber, ob wir einen Artikel öffnen oder nicht. Genau hier setzt Clickbaiting an. Der Begriff bedeutet so viel wie „mit Klicks ködern“ und beschreibt Überschriften oder Vorschaubilder, die möglichst spektakulär formuliert sind, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Klicks sind schließlich wertvoll: Wer sie sammelt, verdient Geld, steigert Reichweite oder beeinflusst Meinungen.
Eine gut formulierte Überschrift hilft, Inhalte zu finden, die uns wirklich interessieren. Problematisch wird es erst dann, wenn Titel so übertrieben, irreführend oder emotionalisiert sind, dass sie nichts mehr mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun haben. Genau das passiert beim Clickbaiting.
Warum Clickbaiting so gut funktioniert
Clickbaiting nutzt typische menschliche Verhaltensmuster aus. Spektakuläre Aussagen erzeugen Neugier, Überraschung, Ärger oder Staunen – starke Gefühle, die oft zu spontanen Klicks führen. Manche Überschriften spielen mit extremer Dramatik, andere mit Angst oder dem Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Auch Bilder werden gerne verzerrt, aus dem Zusammenhang gerissen oder mit dramatischen Effekten versehen, um die Neugier zusätzlich zu steigern.
Die Mechanismen ähneln dabei oft denen von Fake News: Aufmerksamkeit steht über Inhalt, Emotion über Information. Manche Beiträge versprechen Sensationen, die am Ende gar nicht geliefert werden – ein Klassiker bei reißerischen Artikeln über Promis oder angebliche Skandale.
Clickbaiting erkennen
Es gibt einige typische Anzeichen für Clickbaiting-Überschriften:
- Cliffhanger-Formulierungen
Überschriften kündigen etwas an, das erst nach dem Klick aufgelöst wird – oder eben gar nicht. Typisch sind Sätze wie „Was dann passiert, überrascht alle“ oder „Dieser eine Trick verändert alles“. - Übertrieben starke Adjektive
Formulierungen wie „unglaublich“, „grausam“, „herzerweichend“ oder „sensationell“ sollen sofort starke Gefühle auslösen und wirken oft dramatischer als der eigentliche Inhalt. - Superlative
„Die beste“, „die schlimmste“, „die schnellste“ – Superlative erzeugen den Eindruck, dass es sich um etwas Außergewöhnliches handelt, auch wenn der Beitrag das nicht hält. - Unerwartete Wendungen
Überraschungsmomente wie „plötzlich passiert etwas, womit niemand gerechnet hat“ sind ein häufiger Köder, um spontanes Klicken auszulösen. - Auffällige Zahlen
Zahlen in Headlines stechen optisch heraus und wirken seriös, selbst wenn sie ohne Kontext wenig aussagen. Beispiele sind „5 Dinge, die niemand wusste“ oder „Jeder dritte Teenager erlebt das regelmäßig“. - Internet-Slang, Abkürzungen oder Emojis
Begriffe wie „OMG“, „WTF“ oder „LOL“ erzeugen sofort Emotionen und wirken besonders auf Jugendliche aufmerksamkeitsstark, genauso wie Emojis, die starke Gefühle transportieren.
Seriöse Inhalte von Clickbait unterscheiden
Nicht jede auffällige Überschrift ist automatisch manipulativ. Viele Medien nutzen kreative Titel, um Informationen leicht zugänglich zu machen. Entscheidend ist die Frage, ob Inhalt und Titel zusammenpassen.
Misstrauen ist immer dann angebracht, wenn die Überschrift sehr starke Gefühle anspricht, aber kaum Details liefert. Auch vage Formulierungen, dramatische Bilder oder typische Reizwörter sind ein Hinweis darauf, dass der Beitrag weniger Substanz hat als versprochen. Ein schneller Quellencheck hilft ebenfalls: Wenn ein Thema wirklich relevant ist, berichten meist mehrere seriöse Medien darüber.
Clickbaiting ist älter als das Internet
Reißerische Überschriften sind übrigens kein neues Phänomen. Schon lange vor sozialen Netzwerken nutzten Zeitungen und Fernsehsendungen übertriebene Formulierungen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der Unterschied: Während früher der Kauf einer Zeitung nötig war, reichen heute wenige Sekunden und ein Fingerwisch, um Reichweite zu erzeugen – und damit Geld zu verdienen. Deshalb wird Clickbaiting wohl nie ganz aus der Medienlandschaft verschwinden.