
Falsche Gewinnspiele: Wenn der heiße Preis zur Datenfalle wird
Kaum ein Tag vergeht ohne neue angebliche Traumreisen, Smartphones, Designer-Sneaker oder Supermarkt-Gutscheine, die online „verlost“ werden. Besonders auf Social Media gibt es ständig Gewinnspiele – manche seriös, viele jedoch komplett gefälscht. Fake-Gewinnspiele sind eine der beliebtesten Methoden, um an persönliche Daten zu kommen oder Nutzerinnen und Nutzer in Abofallen zu locken.
Hinter den glänzenden Bildern steckt in vielen Fällen ein System, mit dem Betrüger gutes Geld verdienen können. Sie haben dabei in erster Linie ein Ziel: persönliche Daten. Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum oder Interessen. All das lässt sich für gutes Geld an Datenhändler weiterverkaufen, denn sie können damit passgenaue Werbung verschicken oder weitere Betrugsversuche starten.
Wie Fake-Gewinnspiele heute aussehen
Moderne Fake-Gewinnspiele wirken täuschend echt. Mit professionell gestalteten Grafiken, gestohlenen Logos und gefälschten Webseiten entsteht schnell der Eindruck, große Marken wie Edeka, Rewe, Apple oder DM wären die Veranstalter. Auch gefälschte Instagram-Profile nutzen Originalschriftzüge und Bilder, um seriös zu wirken. Auch Messenger-Dienste sind betroffen. Immer wieder werden vermeintliche Gewinnlinks über WhatsApp oder TikTok-DMs verschickt, oft versehen mit dem Satz: „Ich dachte, das könnte dich interessieren.“
Zum Glück gibt es einige typische Anzeichen, die auf gefälschte Gewinnspiele hindeuten:
- Fehlende oder unklare Teilnahmebedingungen
Seriöse Gewinnspiele müssen klar erklären, wie die Teilnahme funktioniert, wie lange sie läuft, wer dahinter steht und wie Gewinne ausgelost werden. Fehlen diese Informationen oder sind sie schwer zu finden, handelt es sich meist um ein unseriöses Angebot. - Versteckte Hinweise im Kleingedruckten
Manche Anbieter verstecken entscheidende Details in winzigem Text, zum Beispiel einen Weiterverkauf der Daten, automatische Newsletter-Anmeldungen oder Bedingungen, die kaum jemand akzeptieren würde. - Kein Impressum, keine Kontaktinformationen
In Deutschland sind Impressum und Kontaktmöglichkeiten Pflicht. Wenn beides fehlt oder der genannte Anbieter im Impressum sich nicht mit dem vermeintlichen Anbieter im Gewinnspiel deckt, ist Vorsicht geboten. - Auffällige Webadressen
Die Links zu gefälschten Websites ähneln oft den echten Links, unterscheiden sich aber durch kleine Abweichungen wie zusätzliche Buchstaben oder ungewöhnliche Endungen. - Unverschlüsselte Datenübertragung
Eine seriöse Seite nutzt eine HTTPS-Verschlüsselung zur Datenübertragung, erkennbar an einem Schloss-Symbol im Browser oder dem https:// ganz vorne in der URL. Fehlt die Verschlüsselung, können eingegebene Daten theoretisch abgefangen oder manipuliert werden. Für Gewinnspiele ohne HTTPS gilt daher grundsätzlich: nicht ausfüllen. - Aufforderung zur Übermittlung sensibler Daten
Bankinformationen, Ausweisfotos oder sogar TAN-Nummern zum Onlinebanking werden immer wieder „zur Verifizierung“ abgefragt. Seriöse Gewinnspiele fordern niemals solche Daten.
Weitere Betrugsmaschen mit Gewinnspielen
Ein weiteres Problem sind sogenannte Abofallen. Manche Fake-Gewinnspiele leiten unbemerkt zu Seiten weiter, bei denen durch einen einzigen Fingertipp teure Premium-SMS-Dienste oder Abos abgeschlossen werden. Eine Drittanbietersperre beim Mobilfunkanbieter verhindert solche Abbuchungen wirkungsvoll. Viele Verbraucherzentralen bieten dafür Musterbriefe und Hilfestellungen an, zum Beispiel hier.
Auch mit künstlicher Intelligenz lassen sich heute täuschend echte Fake-Gewinnspielseiten erstellen. Sogar gefälschte Kommentare („Ich habe wirklich gewonnen!“, „Das klappt wirklich!“) werden teils automatisch generiert.
Außerdem tauchen vermehrt Fakes auf, bei denen Influencer oder Prominente mittels Deepfake-Bild oder -Video angeblich Produkte verschenken – komplett erfunden.
Fazit
Echte Gewinnspiele großer Marken werden fast immer über offizielle Kanäle kommuniziert: die echte Website, verifizierte Social-Media-Accounts oder altbekannte Unternehmensprofile. Im Zweifel lohnt sich ein kurzer Indizien-Check, der eine Fälschung oft schon am fehlenden Impressum entlarvt. Trotzdem gilt auch für echte Gewinnspiele: Genau hinschauen, welche Daten wofür genutzt werden – und ob das die Gewinnchance dann wirklich noch wert ist.